Komboloi

Zeitvertreib, Konzentration und Beschäftigung mit der Perlenkette für Männer aus Griechenland

Komboloi

Mit einem Klicken schnellt die Perlenkette durch die Finger der Hand – der Blick geht konzentriert in die Weite und zeigt deutlich, dass es die Anspannung ist, welche die Person am Hafen mit dem gebetskettengleichen Schmuckstück zu vertreiben versucht. Komboloi sind im griechischen und zypriotischen Raum sowie natürlich auch auf Kreta verbreitet und gleichen den Gebetsketten aus Christentum und Islam. Mit Religion haben die Ketten, welche im Englischen auch Worry Beads genannt werden, nur wenig zu tun. Was steckt hinter der griechischen Form der Rosenkranzkette und wie spielt man mit dem „Fingerspielzeug“ Komboloi?

Ein Komboloi (auch Koboloi, auf griechisch Κομπολόι) ist Gegenstand der Herrenausstattung von (vor allem älteren) griechischen Männern. Das Fingerspiel dient als Zeitvertreib, Meditationshilfe oder Glücksbringer.

Die Glückssymbolik stammt vom Knoten, der die Perlenkette zusammenhält. In der Μehrzahl heißt die Perlenkette Ko(m)bologia (griechisch Κομπολόγια) von kombos (griechisch κόμπος) „Knoten“.

Komboloi

Was ist ein Komboloi?

Gebetsketten werden durch eine gewisse Zahl von Perlen auf einer Schnur dargestellt. Wenn ein Vers oder ein Gebet beendet ist, wird eine Perle auf der Kette von einer Seite auf die andere geschoben und das Gebet beginnt von vorn. Beim Komboloi steht weniger das Gebet, als die geschickte Bewegung der Stein-, Kunststoff- oder Holzperlenkette für Männer in einer oder beiden Händen im Vordergrund.

Die Anzahl der Perlen der „Spielzeugkette“ variiert. So besteht ein Komboloi manchmal aus einem Vielfachen der Zahl Vier mit einer zusätzlichen Perle oder einer Primzahl bis 23 (also immer ungerade). Aber auch „kurze“ Kombologia existieren, welche nur wenige Perlen besitzen. Neben den beweglichen Perlen befinden sich auf der Schnur auch ein (in manchen Quellen) sogenannter Priester und das Schild. Die beiden besonderen Perlen sind auffällig und meist starr mit der Schnur verbunden.

Um das Komboloi zu nutzen, wird der Mittelpunkt der Kette ausgelotet. Dabei geht es weniger um die fixen Mittelpunkte der Kette, als um den Schwerpunkt: Die auseinandergeschobenen Ketten-Teile sollen auf jeder Seite dasselbe Gewicht zeigen, was aufgrund der unterschiedlichen Anzahl der Perlen nicht den festgebundenen Perlen entspricht. Ein Spielen mit dem Komboloi findet dann auf unterschiedlichste Art und Weise statt (siehe mehr weiter unten).

Bedeutung der Kombologia

Das Komboloi dient weniger der Hilfe beim Abzählen, als dem Zeitvertreib. Die englische Bezeichnung Worry Beads trägt schon einen Teil der Bedeutung in sich: Wenn die Griechen in Sorge oder angespannt sind, werden die Kombologia ausgepackt und verhelfen durch eine einfache Beschäftigung, den Kopf in stressigen Situationen oder Momenten der Sorge wieder zu beruhigen – die weltliche Gebetskette. Durch die Nutzung erfolgt eine Konzentration auf die einfache Tätigkeit und hinterlässt bei den Spielenden einen klaren Kopf. Das Spielen mit einem Komboloi erfolgt nicht nur als spaßige Abwechslung.

Die Nutzung ist ebenfalls beliebt, wenn man das Rauchen aufgeben oder eine nervöse Unruhe bekämpfen möchte. Verschiedene Komboloi waren zudem ein Zeichen für den sozialen Status: Wer etwas auf sich hält und das zeigen möchte, besitzt ein Komboloi mit Silber- oder Goldperlen. Bestimmte Farben und Formen oder Kombinationen mit religiösen Symbolen machen das Komboloi zum Amulett gegen Unglück und schützen vor schlechten Fügungen des Schicksals. Die Bedeutung der Komboloi dreht sich also rund um die Beruhigung des Geistes durch körperliche Tätigkeit und Ablenkung. Ganz wie ein Gebet soll die Nutzung somit die Existenz erträglicher machen und die Person weiter zu sich führen. Doch ist die Herkunft auch in der Religion zu finden? Kombologia sind nicht mit den Komboskini zu verwechseln.

Herkunft des Komboloi

Seinen Ursprung hat das griechische Komboloi im Mala, dem Hilfszählmittel für die Zitation eines Mantras im Buddhismus und Hinduismus (108 Perlen). Später wurde eine Abwandlung dieser Gebetskette auch für Gebete und religiöse Formeln im Islam übernommen (11, 33, 99 oder 1000 Perlen). Hieraufhin gelang das Gebetskettchen in die christliche Welt – es entstand das orthodoxe Komboskini sowie der Rosenkranz.

In der Orthodoxen Kirche, der mehr als 97% der Griechen angehören, gilt das Komboskini (griechisch κομποσκοίνι) als Gebetsschnur, welche für das Jesusgebet genutzt wird. Die Schnur hat üblicherweise 100 Knoten (es gibt auch Formen mit 25, 30, 33 oder 500 Knoten), ist also ebenfalls auch mit weniger oder mehr Knoten verbreitet. Mönche und Nonnen erhalten das Komboskini nach dem Versprechen, den Regeln eines Ordens zu folgen. Die Gebetskette wird für das unaufhörliche Gebet genutzt, indem bestimmte Verse der Bibel gebetsmühlenartig wiederholt werden. Das Komboloi ist, so wie es die Ähnlichkeit der Namen nachvollziehen lässt, eine Abwandlung der Kette für das Gebet, gilt aber heute kaum noch als religiöses Artefakt.

Eine weitere Geschichte um die Herkunft des Komboloi besagt, dass die Griechen vor den Augen ihrer türkischen Besatzer mit deren Gebetsketten spielten, um diese zu verhöhnen.

Spielarten des Komboloi

Ob an öffentlichen Plätzen wie Flughäfen, Taxiständen oder in einer Warteschlange, in den eigenen vier Wänden, einem Kafenion oder auf Arbeit – bei einem Urlaub in Griechenland oder auf Kreta fällt das Komboloi an vielen Orten auf. Dabei ist die Nutzung sehr unterschiedlich. Allgemein wird zwischen der lauten und leisen Spielart unterscheiden. Die leise Spielart verbreitet ruhe, indem das Kettchen langsam zwischen Daumen und Zeigefinger einer Hand entlang geführt wird, bis alle Perlen von einer Seite der Kette auf der anderen angekommen sind. Die laute Spielart sieht vor, dass die Kette in zwei Teile geteilt und an der Schnur zwischen Daumen und Zeigefinger oder zwischen Ring- und Mittelfinger gehalten wird. Das Komboloi wird dann von einer Seite der Hand auf die Andere geworfen und auf der anderen Hälfte gehalten. Je nach Geschicklichkeit erfolgt die Nutzung lediglich zwischen zwei Fingern oder wandert zwischen den Fingern der Hand – Runden entlang der inneren und äußeren Handfläche. Das Spiel mit dem Komboloi erfolgt also individuell, je nachdem, ob die Situation etwas Ruhe oder Abwechslung erfordert.

Komboloi spielen

Das Komboloi Spielen findet auf unterschiedlichste und individuelle Weise statt. Wenn du das Kettchen noch bei keinem Urlaub auf Kreta oder in Griechenland in Aktion gesehen hast, helfen dir wahrscheinlich Videos am besten, die Art zu verstehen, wie das Spielen mit dem Komboloi abläuft.

Komboloi kaufen

Als schönes Urlaubsmitbringsel und Souvenir kannst du auf Kreta und in Griechenland fast überall ein Komboloi kaufen. Souvenirläden und Schmuckgeschäfte sind dabei der richtige Anlaufpunkt für dich. Achte beim Kauf auf eine gute Verarbeitung, ein (für dich) angenehmes Material und eine schöne Optik – denn es muss dir vor allem gefallen. Aber was besonders wichtig ist: der Klang. Denn jeder Mensch hat ein anderes Klangempfinden und sollte sich deshalb ein Komboloi mit für sich persönlich angenehmen und beruhigenden Lauten beim Fallenlassen der Kugeln kaufen.

Komboloi Museum

In Nafplio, auf der Peloponnes-Halbinsel, befindet sich ein kleines Komboloi Museum. In vier Räumen werden hinduistische, buddhistische, muslimische sowie katholische und griechische Gebetsketten und „Worry Beads“ ausgestellt (Infoblätter liegen auch auf Deutsch aus). Im Museum kannst du dir auch dein eigenes Komboloi kaufen.

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